Amtliche Eingänge
Zartenow hat vier Anträge gestellt. An echte Stellen, mit echtem Porto. Hier steht, was zurückkam.
Was hier vorliegt. Am 20. Juli 2026 hat der Dorfschreiber vier Anträge auf den Postweg gebracht: an die Deutsche Post, an Google, an den Tourismusverband Mecklenburgische Seenplatte und an den Landkreis. Jeder Antrag war formgerecht gestellt, jeder legte im letzten Absatz offen, dass Zartenow ein Romandorf ist, und jeder bat um eine formgerechte Antwort.
Beide bisher eingegangenen Stellen haben der Veröffentlichung ihres Schreibens ausdrücklich zugestimmt. Die Schreiben stehen deshalb im Original. Kontaktdaten von Sachbearbeitern sind geschwärzt, die Unterschriften der Amtsleitungen nicht.
2 von 4 Anträgen beantwortet
Meldung zum Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“
Zartenow meldete sich zum Kreisausscheid an, mit Verweis auf wachsende Einwohnerzahl, vergebene Ehrenämter und ein sanierungsbedürftiges Kirchendach. Angemerkt wurde, dass Zartenow von allen Dörfern des Landkreises das mit dem geringsten Sanierungsstau sei.
„Auch wenn nach den Wettbewerbsbedingungen für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ tatsächlich nur real existierende Gemeinden und deren Einwohner Zugang finden, möchte ich Ihnen auf Ihren Antrag antworten und hoffe auf Eingang in Ihre Dorfchronik im Online-Rathaus des Dorfes.“
„Dies kommt Ihnen und Ihrem fiktiven Dorf Zartenow möglicherweise entgegen. […] könnte sich das Feedback positiv auf Ihre zu erwartende erneute Bewerbung im kommenden Jahr nach Ausschreibung des Wettbewerbs darstellen.“
Aus dem Schreiben von Thomas Müller, Landrat.
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Vermerk des Amtes. Das Amt hält fest: Der Landkreis hat geantwortet, obwohl er nicht musste, und rechnet für 2027 mit uns. Die nächste Ausschreibung kommt, Zartenow wird sich melden. Bis dahin bleibt das Kirchendach, wie es ist.
Antrag auf Mitgliedschaft der Gemeinde Zartenow
Zartenow beantragte die Mitgliedschaft und bat um die Beitragsordnung. Eingebracht wurden eine Dorfkirche mit einem Gemälde ohne Katalogeintrag, der Zartenower Kalte Hund mit eigener Partnerbäckerei und Übernachtungszahlen, die konstant bei null liegen.
„Eine Gemeinde, deren Bettenkapazität konstant bei null liegt und deren Auslastung trotzdem nie Anlass zur Sorge gibt, wäre für unseren Verband zweifellos eine Premiere gewesen.“
„Als literarischer Botschafter der Mecklenburgischen Seenplatte ist Zartenow bei uns deshalb sehr willkommen, wenn auch vorerst nur ideell.“
Aus dem Schreiben von Robert Neidel, Geschäftsführer.
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Vermerk des Amtes. Abgelehnt, weil der Gemeinde der reale Antragsteller fehlt. Das Amt nimmt den Bescheid an. Botschafter ist mehr, als beantragt wurde, und kostet keinen Beitrag.
Antrag auf Zuteilung einer eigenen Postleitzahl
Zartenow beantragte eine eigene Postleitzahl, gern eine bereits stillgelegte aus dem Bestand, und verwies auf die Straße „An der Alten Poststelle“ als postgeschichtliche Tradition, an die man anknüpfen wolle.
Seit 29 Tagen kein Eingang. Der Antrag gilt als in Bearbeitung, solange nichts anderes vorliegt.
Vermerk des Amtes. Kein Eingang. Das Amt wartet und hält das aus. Zustellung erfolgt bis auf Weiteres behelfsweise.
Antrag auf Aufnahme in Google Maps
Zartenow beantragte die Aufnahme in den Kartendienst. Die Koordinaten konnten aus erzählerischen Gründen nicht mitgeteilt werden: Das Dorf liegt zwischen zwei Seen, hinter dem Wald, wo der Bus nicht mehr hält.
Seit 29 Tagen kein Eingang. Der Antrag gilt als in Bearbeitung, solange nichts anderes vorliegt.
Vermerk des Amtes. Kein Eingang. Der Kartendienst hat die Rückseite des Mondes vermessen. Zartenow steht noch aus.
Warum das Dorf Anträge stellt. Zartenow ist der Schauplatz des Romans „Meisterwerk mit Kaltem Hund“, der am 1. September 2026 erscheint. Ein Kunsthistoriker findet dort in einer Dorfkirche ein Gemälde, das in keinem Katalog der Welt steht. Das Dorf kennt es längst und schweigt seit siebzig Jahren darüber, am liebsten bei Kaffee und Kaltem Hund.
Wer im Dorf wohnen möchte, wird Einwohner. Es kostet nichts und dauert eine Minute. Was sonst im Dorf geschieht, verkündet Hannes Dorfchronik.
Die Anträge sind echt, das Porto war es auch. Nur das Dorf ist erfunden.